Tipps zum Pferdekauf


Pferdekauf bewegt! Zum einen, weil Pferde schon immer teuer waren. Und zum anderen weil man die Hoffnung hat, dass sich Pferd und Reiter zusammen positiv entwickeln und jede Menge Erfolge einstreichen. In der heutigen Zeit kommt erschwerend hinzu, dass der moderne Reiter/Käufer nicht unbedingt aus einer Reiterfamilie kommt, oder aber von Kindesbeinen an mit Pferden aufgewachsen ist und mit ihren Bedürfnissen bestens vertraut ist. Im Gegenteil – wie in vielen anderen Lebensbereichen auch – verlässt Mann/Frau sich auf das Wissen und die Hilfe anderer.

Hier bekommen Sie die 10 grundlegenden Ratschläge unserer Profis aus den Redaktionen von St.GEORG und Mein Pferd, die Sie beim Pferdekauf unterstützen können.

Die zehn Gebote des Pferdekaufs

1. Vertrauen Sie auf Ihr Gefühl

Damit Sie sich reiterlich weiterentwickeln können, müssen Sie Sich wohlfühlen. Wenn das nicht gegeben ist, kann sich das Pferd auch nicht wohlfühlen und spätestens dann wird es schwierig. Und bedenken Sie – Pferde sind Lebewesen. Auch sie haben Schwankungen, brauchen ihre Erholungsphasen und Ihr Verständnis. Deswegen ist es absolut unverzichtbar, dass Sie Ihrem Pferd uneingeschränkt vertrauen und ein Gefühl für dieses entwickeln.

Machen Sie Sich vorab ein genaues Bild von Ihren Zielen und stellen Sie sicher, dass das Pferd Ihrer Wahl auch über die entsprechenden Möglichkeiten verfügt. Der HORSESHIP Profilabgleich hilft Ihnen, ein weitgehend genaues Bild über Sie selbst und Ihren zukünftigen Partner zu erhalten. Ob es dann aber tatsächlich passt, hängt vom Gefühl ab und das kann niemand vorher bestimmen.

Also, lassen Sie Sich beim Pferdekauf kein Pferd schönreden – das bringt nichts. Sie müssen Sich wohlfühlen. Nicht Ihr Bereiter oder Trainer.

2. Es gibt keine Schnäppchen

Pferde sind generell nicht billig, auch wenn man auf der Suche nach einem Partner für die Freizeit ist, der keine Grand Prix Qualitäten aufweist. Die Geschichte vom Schnäppchen ist gleichwohl allgegenwärtig und wir alle sind ja auch ständig auf der Suche danach. Es ist aber nun mal so, dass Pferde, die für höhere Aufgaben geeignet sind, entweder sehr viel Geld kosten oder mindestens einen Haken haben. Sie haben vielleicht gesundheitliche Einschränkungen, sind sehr speziell im Umgang oder unter dem Sattel bzw. ihre Leistungen sind nur von einem Profi abzurufen. Hier schließt sich der Kreis. Entweder der Preis ist hoch, oder es müssen Zugeständnisse gemacht werden.

3. Die guten Freunde sind teuer

Wenn Sie ein Pferd kaufen möchten, sollten Sie einen Ratgeber dabei haben - und zwar einen, der sich auskennt. Frei nach dem Motto "Vier Augen sehen mehr als zwei!"

Ist der ausgesuchte Ratgeber ein Pferdefachmann (Profi, d.h. Pferdewirtschaftsmeister/in oder Trainer/in) sollte Ihnen klar sein, dass dieser vom Verkäufer eine Provision erwartet. Das ist grundsätzlich auch nicht verwerflich. Wenn Profis ihre Expertise einbringen, ihre Zeit verwenden und im Zweifel auch ihre Reputation aufs Spiel setzen, sollten sie eine anständige Vergütung erhalten.

Verwerflich ist es aber, wenn

  • Ihr Ratgeber nicht mit offenen Karten spielt und Sie im Unklaren darüber lässt, ob, und wenn ja, wie viel Provision er erhält

  • weitere Personen mitverdienen und den Preis künstlich in die Höhe treiben

  • Ihr Ratgeber versucht, Ihnen ein Pferd schön zu reden, weil er/sie dann mehr Provision erhält, oder

  • Ihr Berater versucht, Ihnen ein Pferd auszureden, weil er/sie nicht genügend Provision erhält.

Haben Sie Ihr Pferd über Ihren Pferdemarkt HORSESHIP gefunden, fällt der wichtigste Teil – nämlich ein passendes Pferd zu finden – weg. Es bleibt die klassische Beurteilung, die hat ihren Preis. Dieser sollte aber verhältnismäßig sein.

Also, sprechen Sie das Thema offen an und schaffen Sie Klarheit. Nur dann können Sie mit ruhigem Gewissen auf die Suche gehen.

4. Umfangreiches Ausprobieren ist Pflicht

Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd in der Lage ist zu erfüllen, was Sie von ihm wollen. Um das herauszufinden, sollten Sie aber nicht warten bis das Pferd gekauft ist und in Ihrem Stall steht, sondern vorab klären, was geht und was nicht geht. Sie wollen springen? Dann probieren Sie es aus, am besten auch auf fremden Plätzen! Sie wollen im Gelände reiten? Dann raus ins Grüne! Das Pferd soll verladen werden? Dann verladen Sie es! Grundsätzlich sollten Sie alles das mit dem Pferd machen können, was es später auch leisten soll. Und natürlich gibt es Situationen in denen schnelles Handeln notwendig ist. Aber, nehmen Sie Sich die Zeit, die Sie brauchen und probieren Sie aus, was sinnvoll und notwendig ist. Einen guten Händler erkennt man nicht zuletzt auch an der Bereitschaft, Ihnen die Zeit zu geben, die Sie benötigen.

5. Nicht aufs Pferd setzen bevor die wesentlichen Fakten klar sind

Ein erfahrener Pferdeverkäufer erkennt sofort, ob Sie mit einem Pferd besonders gut zurechtkommen. Und nicht selten steigt der Preis beim Ausprobieren. Und auch nicht selten wird darauf gebaut, dass nach dem Ausprobieren mehr Zugeständnisse gemacht werden, als vorher. Also, um Enttäuschungen vorzubeugen – klären Sie alle wesentlichen Faktoren wie Preis und Gesundheitszustand (wenn möglich) bevor Sie auf das Pferd steigen.

6. Immer mit Ankaufsuntersuchung

Die Ankaufsuntersuchung ist eine Grundbedingung für den ordentlichen Pferdekauf. Eine fundierte Ankaufsuntersuchung setzt sich zusammen aus einer klinischen und einer röntgenologischen Untersuchung; zunehmend auch aus Ultraschallbildern. Wir finden, dass die klinische Untersuchung wesentlich mehr über den Gesundheitszustand aussagt, als die röntgenologische Untersuchung (über 80% der Pferde werden heute mit einer Röntgenklasse III und schlechter bewertet, siehe auch Röntgenklassen).

Erwarten Sie nicht, dass der Tierarzt oder ein anderer Ihnen eine klare Aussage über die Haltbarkeit des Pferdes geben wird; das kann keiner. Im Zweifel wird er bei einem Befund vom Pferdekauf abraten, um selbst kein Risiko einzugehen.
Seien Sie grundsätzlich bei der Ankaufsuntersuchung dabei. Lassen Sie Sich alles erklären. Ist klinisch für Sie alles ok und akzeptabel, kann die Röntgenuntersuchung erfolgen. In der Regel ist die Röntgenklasse nach einer erfolgreichen klinischen Untersuchung eher nachrangig (aber nicht verzichtbar) und sollte unserer Meinung nach nur bei groben Abweichungen entscheidend sein.

Im Zweifel empfehlen wir einen eventuell auftretenden Befund mit dem Pferdehändler zu besprechen und eine längere Gewährleistung zu vereinbaren – solche Verträge werden nicht selten geschlossen.

7. Immer mit Pferdekaufvertrag

Durch die Schuldrechtsreform (01.01.2002) hat vor allem der Verkäufer ein Interesse an einem Pferdekaufvertrag. Wichtig ist, dass der Pferdekaufvertrag alle wesentlichen Punkte enthält (siehe "Wissenswertes rund ums Pferd - Pferdekaufvertrag") und Nebenabreden ausschließt. Sollte der Vertrag unvollständig sein, kann die Wirksamkeit als Ganzes in Frage gestellt werden und im Zweifel auch der Käufer dadurch einen großen Nachteil erfahren.

Beachten Sie bitte, dass nur private Verkäufer (d.h. keine Unternehmer i.S.d. Gesetzgebers) eine Haftung ausschließen können und das in der Regel auch tun.

8. Immer mit Rechnung

Bestehen Sie beim Pferdekauf immer auf eine ordentliche Rechnung! Auch wenn wir grundsätzlich den traditionellen Handschlag befürworten, so befürworten wir auch die ordentliche Abrechnung. Und dazu gehört nun einmal auch eine ordentliche Rechnung, die den vollständigen Kaufpreis ausweist.
Wir warnen ausdrücklich beim Pferdekauf vor Bargeschäften die ausschließlich der Steuerumgehung dienen.

9. Immer mit vollständigen Papieren

Um die Eindeutigkeit der Herkunft und die Rechtmäßigkeit der Eigentumsverhältnisse sicher zu stellen, ist die Vollständigkeit der Papiere unverzichtbar. Dazu gehören:

  • die Eigentumsurkunde,

  • der Equidenpass,

  • ggf. ein FEI-Pass.

Und um das ganz klar zu sagen: “Die Papiere sind ohne Wenn und Aber vorzulegen.“ Ist der Pferdeverkäufer dazu nicht jederzeit in der Lage, sollte Vorsicht walten.

10. Immer mit Versicherung

Ist der Pferdekauf vereinbart, sollten Sie als nächstes über das Thema Versicherung nachdenken. Unverzichtbar ist eine Tierhalterhaftpflichtversicherung, die den Halter des Pferdes vor unkalkulierbaren Schäden bewahrt, die durch das Tier ggf. verursacht werden.

Auch der Transport sollte abgesichert sein. Dieser stellt häufig ein Risiko dar. Und damit aus dem Ausflug oder eben dem Transport vom Verkaufsstall nach Hause nicht ein Albtraum wird, sollte immer eine Transportversicherung oder Transportmittelversicherung abgeschlossen werden.

Wir betonen ausdrücklich, dass es sich bei den vorgenannten Ratschlägen um unsere persönliche Meinung handelt. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit der Aussagen und auch keinerlei Haftung für eventuelle Fehlinterpretationen.

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